Ja – Nein – Vielleicht? Bessere Entscheidungen treffen!

JaNeinVielleicht

Verschiedene Quellen schreiben, dass der Durchschnittsmensch täglich rund 20.000 Entscheidungen trifft. Klingt viel, oder? Nun ja… gleich mit dem Wecker aufstehen oder noch liegen bleiben? Kaffee, Tee oder Kakao? Hose, Rock oder Kleid? Auto, Bus oder U-Bahn? Diese wenigen Beispiele zeigen bereits, dass Entscheidungen meist ganz nebenbei getroffen werden, ohne darüber großartig nachzudenken.

Bei größeren Entscheidungen gilt es Alternativen abzuwägen, aber auch zu entscheiden, wann die Entscheidung am besten getroffen wird (Stichwort: Last Responsible Moment).

In der Wissensarbeit, aber auch darüber hinaus, müssen heutzutage Entscheidungen immer schneller getroffen werden. Oft kann man sich einen langen Entscheidungsprozess schlichtweg nicht mehr leisten. Dementsprechend stellt sich oft die Frage „WER entscheidet“?

Wer entscheidet?

Eine meines Erachtens oft unbeachtete Frage ist: WER entscheidet?

In klassischen Organisationen wird – je größer, wichtiger und risikoreicher eine Entscheidung ist – diese in der Hierarchie nach oben gegeben. Damit dauern Entscheidungen meist lange und auch die Entscheidungsgrundlage ist häufig vom tiefen fachlichen Know-how des Experten zu weit weg. In größeren Organisationen ist meistens in vordefinierten Prozessen definiert, wer welche Entscheidungen treffen darf. Da Prozesse jedoch oft sehr statisch definiert sind, kommt es oft zu Situationen, wo nicht ganz klar ist, wer die Entscheidung treffen kann. „Schön-Wetter-Prozesse“ gibt es – speziell in der Wissensarbeit – wenige bzw. nur auf Papier.

Alternativen aus unterschiedlichen Bereichen müssen oft abgewogen werden, sodass in weiter Folge (legitim) getroffenen Entscheidungen von oben „overruled“ werden. Verständlich aus der Perspektive des Managements, auf Dauer demotivierend aus Sicht der Mitarbeiter. Was aber kann man dem entgegensetzen?

Die Mehrheit?

Fragen wir doch mal alle und entscheiden entsprechend der mehrheitlichen Meinung. Sicher ist sicher, wenn es die Mehrheit ist, kann man doch der Einzelperson keinen Vorwurf machen, oder?!? Ob das Ergebnis langfristig zielführend ist, steht allerdings oft auf einem anderen Blatt.

Der Kompromiss?

Der Kompromiss, oder die „Österreichische Lösung“ (ja, dieser Begriff existiert tatsächlich und hat es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag geschafft), ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Oft muss man einfach kompromisslos Entscheidungen treffen, um langfristigen Erfolg zu sichern.

Je reifer eine Organisation, desto tiefer in der Hierarchie –  sofern diese in der klassischen Form überhaupt noch vorhanden ist – werden Entscheidungen getroffen. In modernen Organisationen geht das tatsächlich so weit, dass JEDER auch große und risikoreiche Entscheidungen treffen kann, darf und muss.

Der konsulative Einzelentscheid!

Zum Glück denken wir aber nicht nur in schwarz und weiß sondern es gibt eine wesentliche Entscheidungsform, die – speziell in reifen Organisationen – immer beliebter wird:

Der konsultative Einzelentscheid folgt klaren Richtlinien und ist in den Büchern von Niels Pfläging genauer beschrieben (Anwendungsbeispiele gibts auch bei Frederic Laloux). Die besten Köpfe (für das Problem und die zu treffende Entscheidung) müssen konsultiert werden, um eine Basis für die Entscheidung zu erhalten. Seit über 20 Jahren ist meine primäre Domäne das Gesundheitswesen. Dort ist es gang und gäbe, dass komplexe Fälle mit mehreren Kollegen gleicher und verschiedener Fachrichtungen besprochen werden, um die für den Patienten optimale Entscheidung zu treffen. Meines Erachtens ein Paradebeispiel von konsultativem Einzelentscheid.

Wie ein konsultativer Einzelentscheid funktionieren kann,  habe ich auf Basis der Arbeit von Niels Pfläging in einer Infografik zusammengefasst:

Kommunikativer Einzelentscheid (Niels Pfläging, Silke Hermann)

Kommunikativer Einzelentscheid (Niels Pfläging, Silke Hermann)

Decision Cards

In einem Training von Michael Sahota habe ich vor einigen Wochen einen Stapel „Decision Cards“ erhalten. In seiner Erklärung wurde mir bewusst, dass es oft auch innerhalb des Teams unterschiedliche Interpreationen von „WER entscheidet?“ gibt. Rückblickend gesehen total logisch, aber in der täglichen Praxis viel zu wenig beachtet.

Decision Cards enthalten fünf verschiedene Ausprägungen zur Auswahl:

  • I decide (Ich treffe diese Entscheidung)
  • I decide after seeking advice (Ich treffe die Entscheidung, nachdem ich Experten konsultiert und um Rat gefraft habe)
  • We decide together (Wir entscheiden miteinander)
  • I advise (Ich entscheide nicht, ich biete meine Expertise zur Entscheidungsfindung)
  • Please let me know (Ich kann nichts zu dieser Entscheidung beitragen)
Decision Cards - Michael Sahota
Decision Cards (by Agilitrix)

Wie funktionierts?

Eine anstehende Entscheidung wird ausgewählt  und erklärt. Jeder bekommt die fünf oben genannten Entscheidungskarten. Jeder an der Entscheidung beteiligte wählt im Geheimen die Karte, mit der er sich am besten identifizieren kann.

Wenn alle bereit sind, werden die Karten aufgedeckt. Es gibt 100 %ige Übereinstimmung? Toll, die Entscheidung kann getroffen werden. Gibt es keine Übereinstimmung, teilt jeder seine Sichtweise und die geheime Auswahl der Entscheidungskarten erfolg erneut.

Ja, das klingt sehr simpel, aber erstaunlicherweise gibt es tatsächlich oft unterschiedliche Interpretationen darüber, wer tatsächlich entscheidet. Das wird mit den Decision Cards unmittelbar transparent und die Entscheidung wird nachhaltiger.

Meine abschließenden Fragen…

Wie können wir bestmögliche, rasche und nachhaltige Entscheidungen treffen? Wie gehts du/deine Firma/deine Kunden damit um? Klassisch oder doch konsultativ? Und warum? Ich freue mich über viele Rückmeldungen! 🙂

Sources & Affiliates

Laloux, Frederic. Reinventing Organisations: A Guide to Creating Organizations Inspired by the Next Stage in Human Consciousness. Nelson Parker, 2014

Pfläging, Niels & Hermann, Silke. Komplexithoden. Clevere Wege zur (Wiederbelebung) von Unternehmen und Arbeit in Komplexität. Redline Verlag, 2015

Pfläging, Niels. Organisation für Komplexität. Wie Arbeit wieder lebendig wird – und Höchstleistung entsteht. Redline Verlag, 2014

Niels Pfläging: https://www.nielspflaeging.com/
Michael Sahota: http://agilitrix.com/

  

2 Kommentare

    1. Ja stimmt. Die Anzahl der Karten ist unterschiedlich, aber das Prinzip ist ähnlich. Wichtig ist aus meiner Sicht das Bewusstsein, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, die dann sichtbar(er) werden. Das hilft, Missverständnisse – zumindest im Entscheidungsprozess – zu vermeiden.

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