„Überlastung“ oder „Viele Wege führen nach Rom“

Überlastung, Mensch, System

In seinem Blogpost zum Thema „Wie geht man mit der Überlastung einzelner Mitarbeiter um?“ beleuchtet der Unternehmensberater Florian Eisenberg überlastete Mitarbeiter aus dem Blickwinkel von „zu viel zu tun“. Auch Jim Benson, der Begründer von Personal-Kanban twittert

Overload is how business is (not) done. People, teams, and companies are all suffering from overload. Limit WIP and feel true performance.
— Jim Benson (@ourfounder) 17. Juli 2018

Aus meiner Sicht ist die Überlastung durch „zu viel Arbeit“ lediglich ein Teilbereich. Ein Grund, dies in einem Blogpost näher zu betrachten.

Überlastung = Überlastung?

Ich möchte den Begriff der Überlastung gerne differenzierter betrachten. Aus meiner Sicht muss zwischen der Überlastung einer Person und der Überlastung des Systems/der Organisation klar unterschieden werden.

Überlastung von Personen

Wann eine Belastung zur Überlastung wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das wird deutlich durch das Zusammenspiel von Stressoren, Stressverstärkern und Stressreaktionen.

Stressampel, Design: Pfeifer-Schmöller

Stressoren sind äußeren Bedingungen und Situationen, denen ein Mensch ausgesetzt ist. Ob diese zu einer Stressreaktion (sprich: der körperlichen und/oder psychischen Antwort auf die Stressoren) führt, hängt sehr stark von den persönlichen Stressverstärkern ab.

Ein Paradebeispiel ist für mich das Lampenfieber. Während eine Person diese Situation genießt oder sogar sucht, ist es für eine andere bereits unvorstellbar vor einer größere Gruppe zu stehen und zu sprechen. Gleiche Situation, unterschiedliche (oder sogar fehlende) Stressreaktion.

Sprich: Ob ein Mensch sich überlastet fühlt, ist geprägt von seinen Einstellungen, Erfahrungen, Motiven. Hier zeigt sich bereits, dass – wenn man von Überlastung spricht – bereits an dieser Stelle differenzieren muss.

Neben der rein persönlichen Komponente, gibt es selbstverständlich auch eine Überlastung durch den Arbeitsplatz selber. Die Arbeits- und Organisationspsychologin Veronika Jakl hat das ganz treffend so bezeichnet:

Wir evaluieren den Sessel, nicht den Menschen, der darauf sitzt.

Beispiele hierfür sind Lärm am Arbeitsplatz, unzureichende Lichtverhältnisse, unklare und widersprüchliche Arbeitsaufträge, etc.

Überlastung von Systemen

Das Hauptsymptom eines überlasteten Systems ist meist, dass mehr Arbeit ins System kommt, als am Ende fertig wird. D.h. der Wertschöpfungsprozess bedarf einer Verbesserung, die das System schneller oder zuverlässiger werden lassen. An dieser Stelle reden wir – je  nach Bedarf – von Lieferzeiten, Termintreue, Vorhersagbarkeit, Qualität, etc.

Mein liebstes Beispiel an dieser Stelle: Ein Drucker druckt auch nicht schneller, nur wenn man mehr Papier hineinstopft… das resultiert lediglich in einem lästigen Papierstau.

Das Wechselspiel

Ich bin der Überzeugung, dass man, um Überlastung zu vermeiden, an mehreren Ecken und Enden seine Hausaufgaben machen muss. Jede Person ist für sich selber (Stichwort: Resilienz) verantwortlich, die Organisation aber trägt die Verantwortung, wenn es um psychische Belastungen am Arbeitsplatz geht. Aus dem Blickwinkel eines „gesunden“ Wertschöpfungsprozesses ist es ein Zusammenspiel von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, um das gesetzte Unternehmensziel zu erreichen. Uns sind wir uns ehrlich… gesunde Mitarbeiter sind die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen.

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